Lieber Hundefreund,

meinen Sie, Jule, die 18 Monate alte Bouvierhündin hat Schmerzen?

Nur durch ein Foto, schlecht zu beurteilen, oder?
Sie müssten viel mehr Informationen zu diesem Hund erhalten.

Liegt eine tierärztliche Diagnose vor?

Zeigt der Hund Auffälligkeiten im Gangbild?

Geht er in bestimmten Alltagssituationen in eine Verweigerung, beispielsweise bei Sprüngen ins Auto? Haben sich Änderungen im Verhalten, in der Aktivität und Temperament bemerkbar gemacht?

Jule kann uns nicht sagen: „Hier tut es mir weh“, „Diese Bewegung ist schmerzhaft“. Ein Schmerz kann sich in vielen kleinen Veränderungen bemerkbar machen. Und die gilt es zu erkennen und richtig zu deuten. Oftmals wird eine Veränderung im Verhalten nicht bemerkt, da sie sich langsam schleichend entwickelt. Auch wird hierbei nicht selten das steigende Lebensalter des Hundes verantwortlich gemacht. Je nach Krankheitsbild, Symptomatik und auch Alter des Hundes muss aber immer auch bedacht werden, dass ein Schmerz dahinter stecken kann! Wie oft erleben wir auch in der hundephysiotherapeutischen Praxis, dass Hundehalter eine Lahmheit nicht mit einer Schmerzhaftigkeit gleichsetzen.

Aber wie viele andere Ursachen kann eine plötzliche, ständige oder immer wiederkehrende Lahmheit haben? Steckt nicht zumeist ein Schmerz dahinter? Aber was genau ist Schmerz nun eigentlich?

Das Schmerzempfinden ist ein lebenswichtiges Alarmsignal, da bei einem Defekt in der Schmerzwahrnehmung das Verletzungs- und Infektrisiko immens erhöht ist. Obwohl Schmerzen zu den ältesten Erfahrungen gehören und sehr weit verbreitet sind, fällt es bis heute schwer zu definieren, was genau Schmerz eigentlich ist. Die International Association for the Study of Pain definierte den Schmerz des Menschen bereits 1986 folgendermaßen: "Schmerz ist ein unangenehmes Sinnes- und Gefühlserlebnis, das mit aktueller oder potentieller Gewebsschädigung verknüpft ist oder mit Begriffen einer solchen Schädigung beschrieben wird." Ebenfalls 1986 erweiterte Zimmermann diese Definition folgendermaßen: „Schmerz bei Tieren ist eine aversive Empfindungserfahrung, verursacht durch aktuelle oder potentielle Verletzung (Schädigung), die ihrerseits schützende motorische und vegetative Reaktionen auslöst sowie erlerntes Meideverhalten bewirkt, und das spezifische Artverhalten – einschließlich des Sozialverhaltens – modifizieren kann“ Haben wir oder unser geliebter Vierbeiner Schmerzen, so sind Wohlbefinden und Lebensqualität stark beeinträchtigt.

Im Humanbereich wird sich bereits stark mit dem Thema „Schmerz“ auseinander gesetzt. Nun können Sie an diesen beidem Symposiumtagen viele unterschiedliche Bereiche zum „Schmerz des Hundes“ kennen lernen. Wissen Sie wie Schmerz entsteht?, Was gibt es für Schmerzformen?, Wie erkenne ich, dass ein Hund Schmerzen leidet?, Welche Möglichkeiten der Schmerztherapie gibt es?. Bekannte und fachlich versierte Referenten werden Ihnen an diesen Tagen ein breites Spektrum vorstellen. Mit diesem Symposium – Thema „Schmerzen des Hundes“ sprechen wir den verantwortungsvollen Hundehalter an und natürlich alle Menschen, die mit Hunden arbeiten dürfen. Seien es Tierärzte, Hundephysiotherapeuten, Hundetrainer, Tierheilpraktiker, Hundefrisöre oder andere Fachpersonen. Wir freuen uns, Sie zu diesem Hundesymposium begrüßen zu dürfen!

Bei Rückfragen stehe ich gerne zu Ihrer Verfügung.

Herzliche Grüße Katrin Vosswinkel (geb. Blümchen)

PS: Meine Jule hat übrigens keine Schmerzen. Das Foto zeigt einen Moment purer Lebensfreude. Erst kürzlich wurde auch röntgenologisch festgestellt, dass Hüft- und Ellenbogengelenke, wie auch die Wirbelsäule, absolut gesund sind.


Der Stellenwert der Schmerzerkennung und folglich auch der Schmerztherapie kann gar nicht hoch genug eingestuft werden, da das Auftreten von Schmerzen, gemessen am Leiden und an den Folgen, immer eine Notfallsituation darstellt.

(aus Ganzheitliche Schmerztherapie für Hund und Katze, Kasper/Zohmann, Sonntag Verlag)